Gemeinschaften in World of Warcraft (WoW) sind schon etwas Merkwürdiges. Eigentlich schließt man sich einer Gemeinschaft (auch Gilde genannt) an, um mit ihr seine Ziele zu erreichen – die unterschiedlicher Natur sein können.
Für die einige bedeutet die Zugehörigkeit zu einer Gilde, dass sie ohne große Suche Mitspieler für Aufgaben (Quests) oder instanzierte Gebäude (Instanzen oder Dungeons) finden. Andere wiederum sehen in einer Gilde die Möglichkeit sich persönlich einzubringen und dem Spiel eine soziale Note zu verleihen. Die letzte größere Gruppe nutzt eine Gilde, um möglichst effizient besonders schwierige Inhalte von WoW zu meistern und sich beziehungsweise den eigenen Avatar im Spiel so noch weiter zu verbessern und auszustatten. – Was aber nun, wenn sich mit steigendem Erfolg die Ziele eines Spielers ändern?
Nun, dass man sich weiterentwickelt liegt zum Glück in der Natur des Menschen. Genauso sollte es auch in seiner natur liegen, einer Gemeinschaft zurückzugeben, was man erhalten hat. Hierbei meine ich keinesfalls Güter in Form von Ausrüstung und Reichtum, sondern viel mehr die Unterstützung, die andere Spieler der Gemeinschaft gegeben haben und die man an neue Spieler der Gemeinschaft weitergeben sollte. Dies bedeutet natürlich auch, dass man genauso viel Zeit und Geduld aufbringen muss um einen Spieler auf einen ebenbürtiges Avatar-Niveau zu bringen, wie man selbst erhalten und/oder investiert hat – doch genau hier scheint ein Systemfehler zu liegen!
Systemfehler!?
Anders als mit einem Systemfehler kann ich es mir zumindest nicht erklären, dass es immer wieder Gildenmitglieder gibt, die beim Eintritt in eine Gilde als „Keiner“ Charakter absolut begeistert sind, wie man sie in der Gemeinschaft empfängt und umsorgt, um es als „Großer“ einige Monate später zu vergessen.
Am Anfang steht die Begeisterung die Hilfe zur Entwicklung des eigenen Avatar zu erhalten, die man so in WoW bislang durch eine Gilde noch nicht gefunden hatte. Dieser Begeisterung folgt einige (viele) Wochen später die Ernüchterung, dass die Hilfe (logischerweise) mit der Zeit zurückgefahren wird, um sich um neue Mitglieder kümmern zu können. Sicherlich haben hohe Avatare (beziehungsweise die Spieler dahinter) auch nicht immer Lust ihre Zeit mit Hilfestellungen zu verbringen, sondern möchten sich selbst weiterentwickeln.
Von dieser Abebbung der Hilfsbereitschaft scheinbar überrascht, stellt sich die Ernüchterung darüber selbst Gruppen suchen zu müssen bei manchem Spieler allzu stark ein. Er wartet kaum mehr lange auf eine Antwort und murrt gerne herum.
Diese Verstimmung führt bei einigen (zum Glück wenigen) Spielern sogar dazu, dass sie ihre eigenen Ziele mit denen der Gilde nicht mehr als Vereinbar sehen, laut polternd Krach schlagen, alles für Sie von der Gemeinschaft geleistete vergessen und statt dessen ihr Heil in einer anderen Gilde suchen.
Fehleranalyse
Der vor beschriebene Spielertyp ist leider kein Einzelfall. Ich war schon in einigen Gilden und weiß, dass solche Spieler überall auftreten und immer wiederkehren werden. Es handelt sich hierbei um eine Mutation vom ungeformten, enthusiastischen Spieler hin zum „Hardcoregamer“, der nur noch die Steigerung seiner eigenen Spielfigur und seiner persönlichen Erfolge sieht und verfolgt. Diese Mutation wird durch mangelnde Kommunikationsbereitschaft in Sprache und Text noch beschleunigt beziehungsweise verstärkt – bis es zum Bruch kommt.
Dabei ist die Lösung eines harmonischen Miteinanders nicht einfach, aber durch jeden Spieler für sich recht einfach zu erreichen. Wenn man sich einfach die Zeit einräumt, 25% seiner Zeit im Spiel der Hilfestellung „Kleineren“ Charakteren in egal welcher Form zurückfließen zu lassen, bestärkt dies den Gemeinschaftsgedanken und alle profitieren von allen.
Es mag zu Beginn hart sein, sich den eigenen Regeln konsequent zu beugen, doch es ist machbar und zumindest ich empfinde es sogar als Bereicherung meiner Spielweise.
Tue Gutes und dir wird Gutes widerfahren.
„Hilfst Du mir, helf’ ich Dir“ – Einfach aber wahr. In meiner Gilde (Wahre Freunde, Frostmourne) erhält man quasi alles gratis, wenn man danach fragt. Es stellt eigentlich nie ein Problem dar seinen Avatar weiterzuentwickeln, solange man sich an die einfache Regel hält auch anderen Gildenmitgliedern zu helfen. So verhält es sich mit Ausrüstungen, Regenzien, Leder, Metallen, Stoffen, Edelsteinen, Runen und gegebenenfalls sogar mit einer finanziellen Unterstützung.
Warum ich das Thema hier in so epischer Breite behandel? – Weil ich durch jüngere Ereignisse recht sauer bin. Der vorgenannte Entwicklungsprozeß wurde nämlich in meiner Gilde durch zu viele zum Teil ausgenutzt oder verraten. Für einige Mitspieler war es wichtiger und einfacher die Gilde zu verlassen um die persönlichen Ziele zu erreichen, statt einen Konsens mit anderen Spielern der Gilde zu finden. Sicherlich bin auch ich nicht mit allem in der Gemeinschaft einverstanden, doch das ist normal. Es ist nicht einfach jede Meinung zu berücksichtigen, doch sollte man in der Lage sein die eigenen Interessen so in die Gildenzukunft einzubringen, dass man sein Ziel eben doch noch erreichen kann – aber eben etwas später und mit allen zusammen.
Danke
An dieser Stelle möchte ich dennoch Danke sagen.
Danke Gernot, denn es war mir ein echtes Vergnügen mit dir doch Instanzen zu ziehen und immer etwas Neues auszuprobieren.
Danke Jürgen, denn unser Zusammenspiel als Magier und Hexer empfand ich als sehr harmonisch und unbelastet.
Danke Raimund, die Gelassenheit und die Beherrschung Deines Heilpriesters würde ich gerne erreichen.
Danke Mitch, denn eine harmonische und gut gelaunte Gruppe zeihe ich jedem Erfolgs- und Epic-Run vor.
Danke Kevin, auch mit Dir habe ich gern zusammengespielt und Dir gern geholfen, Dein Bäumchen (Heildruide) auf dem Weg zu Level 80 zu begleiten. Ließ den Text noch einmal und versuche für die Zukunft einiges besser zu machen. WoW kann man nicht „durchspielen“, so dass Du immer wieder die Hilfe anderer Spieler in Anspruch nehmen werden musst – und diese Spieler erwarten halt auch einen gewissen Dank und Anerkennung.
Allen zusammen möchte ich sagen:
WoW ist ein Gemeinschaftsspiel, das eben nur langzeitig motiviert und Spaß macht, wenn man gemeinsam agiert. Wenn ihr eine andere Vorstellung von diesem Spiel habt spart Euch die 13 Euro im Monat und holt euch einen Offline-Titel. Dort seit Ihr und nur Ihr der Held – ohne Verpflichtungen, Zwänge und Kompromisse.
Gruß,
Dirk (Beldor)